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Harry Graeber: Misshandelte Zukunft - Erschütternder Erlebnisbericht eines Heimkindes im Nachkriegsdeutschland - auch als Hörbuch
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Das Buch Misshandelte Zukunft - Erschütternder Erlebnisbericht eines Heimkindes im Nachkriegsdeutschland


Titel Harry Graeber Misshandelte Zukunft

Harry Graeber beschreibt die dramatischen Umstände, wie seine Geschwister und er in den Sozialfall hinauskatapultiert und schließlich in verschiedene Erziehungsheime des Nachkriegsdeutschlands eingewiesen wurden. Ab seinem vierten Lebensjahr erfährt der Autor ein Milieu von Lieblosigkeit, Verachtung und äußerst fragwürdigen Erziehungsmethoden. Durch die bürokratisch und mit Härte durchgeführte Fremdbestimmung erlebt er seine gesamte Kindheit in einer Art seelischen Hungerzustandes und seine Gedanken sehnen sich nur einen einzigen, wirklichen Wunsch herbei: den Tag seiner Entlassung.  

Dieses Buch ist die packende Schildung dieser Erlebnisse.

Harry Graeber hat sich - auch dank dieses Buchs - mit seinen Erlebnissen ausgesöhnt und ist auch Familienvater.

Harry Graeber ist heute selbständiger Betreuer für Behinderte und Kranke.

Bei pg belletristik ist das Buch in zweiter, leichter veränderter und neu lektorierter Auflage erschienen. In Kürze folgt ein Hörbuch zum Buch.

Buchdetails und Bestellinformation

ISBN 3-937624-61-9
12,80 Eur (D)
194 Seiten

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Vorwort von Harry Graeber

Nach annähernd vierzehn Jahren wurde ich aus der allumfassenden staatli­chen Fürsorge als Sozialwaise entlassen und fühlte mich fast so, als würde ich gerade erst das Licht der Welt erblicken. Schutzlos, ängstlich und unsi­cher tastete ich mich in die gnadenlose Freiheit hinaus: in die Welt der Erwachsenen. Ich war dabei voller Fragen, Fragen an das neue Leben, auf das ich nicht vorbereitet war, Fragen nach seinen neuen Inhalten und vor allem nach dem Sinn dieses neuen Lebens.

   Die allerwichtigste Frage aber, die ich in den Folgejahren mit mir her­umtrug und die, wenn man sie an mich richtete, mich stets beharrlich schweigen ließ, weil ich glaubte, mich für einen Makel schämen zu müssen, war die Frage nach meiner Kindheit und nach meinem Elternhaus.

   Ich wusste lange Zeit nichts über meine Familie, insbesondere nichts über meinen Vater, und kannte auch die Gründe nicht, aus denen meine Geschwister und ich ins Heim beordert worden waren.

   Und so begann ich – zuerst recht zögerlich, aus Angst vor einer vielleicht schmerzlichen Wahrheit – meine älteren Geschwister nach den Lebensumständen, dem Schicksalsweg und der jeweils verlorenen Kind­heit zu befragen, ebenso wie auch meine Mutter, die vieles an unerfreuli­chen Erlebnissen verdrängt hatte und sich nicht gern an die unglückselige Vergangenheit erinnern wollte.

   Ihnen allen möchte ich für die unendliche Geduld gegenüber meiner endlosen Fragerei danken, insbesondere Andy, Jürgen und Edeltraud, die schließlich zu dem, was in diesem Buch erzählt wird, beigetragen haben.

   Meine Recherchen dienten nicht der Suche nach Schuld, sondern der Erforschung der schicksalhaften Ursachen.

   Sie halfen zugleich bei der Aufarbeitung der liebeleeren Kindheitserleb­nisse und führten somit letztendlich auch zu einer inneren Versöhnung mit meiner eigenen Vergangenheit.

   Wenn sich einige der geschilderten Begebenheiten in den Heimerleb­nissen der Geschwister in ähnlicher Art und Weise gelegentlich gleichen mögen, so lag dies an der – zwar pädagogisch unhaltbaren, aber dennoch allgemein vorherrschenden – Praxis der restriktiven Anstaltserziehung jener Zeit in den zumeist repressiven Erziehungsinstitutionen. (Erst sehr viel später sollte sich – mitausgelöst durch die von Andreas Baader, Gu­drun Ensslin und Ulrike Meinhof initiierte „Heimkampagne“ - nach zu­nächst zaghaften Reformansätzen eine Demokratisierung der Heime durchsetzen und das zum Teil unmenschliche System von widersinnigen Normen, Prügelstrafen, psychischen Knebelungen und Verboten nach und nach abgelöst werden.)

   Natürlich wurden die Namen der Betroffenen in diesem Buch geändert.

   Die Schilderungen dieser eigentümlichen Heimwelt im Nachkriegs­deutschland und ihrer fragwürdigen Erziehungsmethoden – wobei den In­sassen nicht nur jegliche basalen Bedürfnisse versagt wurden und die Zöglinge dadurch entmündigt und ohne Selbstverantwortung für die elementarsten Dinge des alltäglichen Lebens in einer Art seelischen Hungerzustandes aufwuchsen – sollen nicht als Anklage verstanden werden. Sie sollen lediglich die autobiographische Situation wiedergeben und zugleich Einblick in das beispielhafte Einzelschicksal bieten. Zugleich soll das Buch ein psychologisches Porträt kleiner Leute und ihrer Schwierigkeiten und Probleme in ihrem Leben in dieser Zeit sein.

   „Misshandelte Zukunft“ spiegelt die unermüdliche Suche nach einer neuen Heimat zwischen Ost und West und damit auch ein Stück gesamt­deutscher Geschichte wider und will damit gerade auch die Aufmerksam­keit derer gewinnen, die selbst nicht betroffen sind.

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